Paarung:
Alle 16 - 18 Tage wird die
Meerschweinchensau brünstig. Die
erste Brunst tritt etwa im Alter von
6 Wochen auf, aber in diesem Alter
ist das Tier noch viel zu jung um
eine Trächtigkeit unbeschadet zu
überstehen. Sie sollte mindestens
600 - 700 g wiegen oder 5 - 6 Monate
alt sein. Die Brunst des Weibchens
erkennt man an ihrem seltsamen
Benehmen. Es gurrt und knattert wie
ein Bock und läuft auch mit
wiegenden Schritten umher. Zu diesem
Zeitpunkt lässt der Bock das
Weibchen kaum aus den Augen. Er
verfolgt es und versucht stets sich
in seiner Nähe aufzuhalten. Heftig
markierend stolziert er durch den
Käfig und wartet nur darauf, dass
das Weibchen in die Hochbrunst kommt
und eine Paarung zu lässt. Ist es
noch nicht so weit, wehrt das
Weibchen die Annäherungsversuche
durch lautes Schreien, Zwicken und
Harnspritzen ab. Die Hauptbrunst
dauert ca. 10 Std. an und nur in
dieser Zeit ist die Scheide, die
sonst von einer dünnen Haut
verschlossen ist, geöffnet und das
Weibchen lässt den Bock zu.
Achtung!!! Niemals
dürfen Schimmel x Schimmel,
Dalmatiner x Dalmatiner, Schimmel x
Dalmatiner verpaart werden, da diese
Tiere den Lethalfaktor in sich
tragen.
Der Lethalfaktor ist eine
Genmutation oder strukturelle
Veränderung von Chromsomen, die
rezessiv (verdeckt dominant) sind.
Das bedeutet, dass sie bei
Verdoppelung zum Tod oder zu
Missbildungen führen.
Tragezeit:
Die Tragezeit des Meerschweinchens
beträgt 64 - 72 Tage
(durchschnittlich 68 Tage), je nach
Größe und Anzahl der Jungen im
Mutterleib. Das trächtige Muttertier
bedarf nun größter Aufmerksamkeit.
Beste Nährstoffversorgung, sowie
Ruhe und äußerst vorsichtige
Behandlung muss gewährleistet sein.
Beim Hochnehmen und tragen
unterstützt nun stets eine ganze
Handfläche den Bauch. Bis zum Ende
der Trächtigkeit nimmt das Weibchen
bis zu 50% seines Eigengewichts zu.
Ab der 5. - 6. Woche können Sie
langsam einen "Bauchansatz" erkennen
und mit etwas Geduld auch schon die
Bewegungen spüren. Unnötiges
Herumtragen sollte jetzt vermieden
werden.
Geburt:
Meerschweinchen bauen kein Nest.
Steht die Geburt kurz bevor, so
sucht das Weibchen eine ruhige Ecke
aus, dreht sich einige Male und
harrt der Dinge, die da kommen
sollen. Nach wenigen Wehen, zu
erkennen daran, dass der Bauch ganz
rund und hart wird, wird das erste
Junge geboren. Die Mutter nimmt eine
Hockstellung ein, wie zum putzen,
zieht das Junge unter ihrem Bauch
nach vorne weg und beginnt sofort
die Eihaut auf zubeißen, um den
ersten Atemzug zu ermöglichen. Die
Nabelschnur wird durchtrennt und das
Baby trocken geleckt bis sich das 2.
Baby ankündigt. Die ganze Geburt
dauert nicht länger als eine halbe
Std.
Die
Geschlechtsbestimmung:
Beim Weibchen gleicht die
Geschlechtsregion einem Y (rechts im
Bild)
Beim Männchen gleicht sie einem i
(links im Bild)

(Bild
aus "Das Meerschweinchen als Patient
von. I. Hamel)
Geburtsstockungen:
Geburtskomplikationen sind beim
Meerschweinchen selten.
Hier ein paar Beispiele, die
eintreten können:
Beckenenge nach zu später Belegung
des Weibchens
Ab und zu auftretende
Einzelträchtigkeit mit zu großem
Jungtier
Trächtigkeitstoxikose
Wehenschwäche
Lageanomalien oder Missbildungen der
Jungen
Säugephase:
Eine ausgesprochen intensive Pflege
der Jungtiere gibt es bei den
Meerschweinchen nicht. Befinden sich
mehrere Muttertiere im Käfig, so
säugen die Jungen auch schon mal bei
fremden Müttern. Innerhalb von 14
Tagen verdoppeln sie ihr Gewicht.
Obwohl das Weibchen nur 2 Zitzen
hat, kann es seine 2 - 4 Jungen, in
seltenen Fällen auch 6 Jungen 3 - 4
Wochen lang säugen, da diese
zusätzlich selbstständig Futter
aufnehmen. Letzteres erfolgt schon
ab dem ersten Lebenstag, denn die
bereits vorhandenen bleibenden
Schneide- und Backenzähne
ermöglichen das Zerkauen fester
Nahrung. Nach 21 - 30 Tagen bzw.
nach erreichen eines Gewichts von
160 g werden die Jungtiere
abgesetzt. Danach versiegt der
Milchfluss der Mutter.
Mutterlose Aufzucht:
Manchmal kann es vorkommen, dass man
neugeborene Meerschweinchen ohne
Mutter aufziehen muss, da sie kurz
nach der Geburt gestorben ist. Die
Aufzucht von mutterlosen Jungtieren
ist sehr mühsam und nicht immer
erfolgreich. Hat man eine andere
Meerschweinchenmutter mit nur wenige
Tage alten Jungtieren, kann man
versuchen, ihr die Waisen
unterzuschieben. Steht keine
Adoptivmutter zur Verfügung, ist die
Aufzucht schon bedeutend
schwieriger. Zu erst sorgt man für
einen warmen, nicht heißen, Platz
(z. B. durch eine Wärmflasche oder
zur Hälfte unter eine mit Heu
gefüllte kleine Kiste).
Man muss sich darüber im klaren
sein, dass ein neugeborenes
Meerschweinchen, im Gegensatz zu
vielen anderen Säugetieren, nicht
von Milch alleine leben kann. Das
schwierigste bei der mutterlosen
Aufzucht dürfte sein, dem Tier
beizubringen,
wie man frisst. Diese Aufgabe
übernimmt am besten ein anderes
freundliches, junges
Meerschweinchen.
Zum
aufpäppeln geeignet (falls noch
nichts geeignetes im Haus ist):
Kräutertee oder eine Mischung aus
warmen Wasser und Kondensmilch
(normale Kuhmilch kann Durchfall
verursachen!) im Verhältnis 4 : 1,
damit schon mal die Verdauung ein
wenig angeregt wird.
Aufpäppeln:
Neugeborene Meerschweinchen haben
noch keine eigene Darmflora, ihr
Verdauungssystem reagiert deshalb
noch sehr störanfällig. Die Jungen
müssen alle 1 - 2 Std. mit einer
Ersatzmilch aus einer 1 ml Spritze
(natürlich ohne Nadel) gefüttert
werden. Ein zu hastiges trinken
fördert das schlucken von Luft und
verursacht Blähbäuche, daher die
Säugeabstände so kurz wie möglich
wählen und langsam füttern. Pro
Mahlzeit nimmt ein Baby ca. 1 - 3 ml
Flüssigkeit auf. Nach der Mahlzeit
sollte die Genitalregion, zur
Anregung der Ausscheidung bzw. der
Verdauung, massiert werden.
Zur Unterstützung der Darmflora
eignet sich eine
Bakteriensuspension, z. B.
Bird-Bene-Bac (beim Tierarzt
erhältlich). Alternativ dazu,
aufgelöster frischer Kot eines
gesunden Meerschweinchens plus Gaben
von Vitamin B- Komplex. Die Jungen
nehmen normal den Blinddarmkot von
der Mutter auf und erhalten auch
über die Muttermilch wichtige Enzyme
und Vitamine für die Verdauung, was
man ihnen hiermit wenigstens zum
Teil ersetzen kann.
Sollten Blähungen auftreten, helfen
Kümmel- oder Fencheltee, an
Medikamenten kann Lefax oder Sab
simplex gegeben werden.
Die Babys möglichst mit anderen Meerschweinchen mitlaufen lassen, damit sie um so schneller lernen, auch anderes Futter wie Körner, Heu, Obst und Gemüse zu fressen. Solange sie nichts anderes von sich aus fressen, muss ihnen tgl. auch etwas Vitamin C eingegeben werden.
Möglichkeiten der Fütterung:
Milchpulver für Hunde - oder
Katzenaufzucht.
Die angerührte Milch etwas stärker
mit Wasser verdünnen als angegeben.
Lämmer-Austauschmilch, vermischt mit
Karotten - und Apfelbrei ( z. B. von
Alete)
Heilnahrung von Säuglingen
(milchfrei z: B. von Milupa)
Kraftfutter in einer elektrischen
Kaffeemühle pulverisieren und mit
Wasser oder Tee zu einem Brei
verrühren. Auch Schmelzflocken
können hinzugefügt werden, so wie
Obst + Gemüsebrei (Hipp, Alete). Für
etwas ältere Jungtiere ab 1 bis 5
Wochen geeignet.
Mögliche Gründe für Totgeburten
(Frühgeburten):
Erbkrankheiten
Letalfaktor
Muttertier zu jung oder zu alt
Geburtsstockung
Erstgeburt
Mangelernährung
Krankheit und Fieber
Würmer oder Wurmkur
Frühgeburt
Tier falsch getragen, gedrückt oder
durch Sturz aus Anhöhe
Übertragung der Jungen (länger als
72 Tage)
Trächtigkeitstoxikose
Calcium- Defizit
Stress ( Umstellung des Futters,
Umgebungswechsel, Transport,
Ausstellung, Lärm, zu enge
Besatzdichte im Käfig; andere
Störfaktoren während der Geburt)
Umweltverschmutzung (
Strahlenbelastung, Tschernobyl)
Erstickung durch zu lange Geburt
Unachtsamkeit der Mutter, das Baby
rechtzeitig aus der Eihaut zu holen
Schimmel in den Räumen, im Heu und
Futter
Antibiotika während der Tragezeit
Junge werden zu schnell nacheinander
geboren, die Mutter ist überfordert