Die Zucht

Wissenswertes

Wer eine Zucht beginnen möchte, braucht genaue Kenntnisse über die Vererbungsregeln. Ziel ist, gesunde und schöne Tiere zu bekommen, die so genau wie möglich dem Standard für die verschiedenen Rassen entsprechen.

Die Elterntiere
müssen beide gesund und kräftig sein und das richtige Alter Haben. Weibchen dürfen erst mit 4 - 6 Monaten zur Zucht eingesetzt werden. Eine zu frühe Trächtigkeit schadet ihnen; älter als 1 Jahr dürfen sie aber auch nicht sein. Mit Männchen kann man ab 6 - 7 Monaten züchten.
Bei der Inzucht (Linienzucht)
wird die Mutter mit dem kräftigsten Sohn, der Vater mit der idealsten Tochter verpaart. Ziel ist es, die jeweils günstigsten Eigenschaften herauszuzüchten. Das lässt sich bei Tieren aus gleichen Familien schnell erreichen. Allerdings werden dabei auch unerwünschte Eigenschaften weitervererbt.
Grundsätzlich gilt:
Keine Geschwister miteinander verpaaren.
Eine Verpaarung von Halbgeschwistern ist dann möglich, wenn die Eltern keine Vererbungsschäden aufweisen. Dazu muss man natürlich genau über sie Bescheid wissen.
Inzucht nur über zwei Generationen betreiben, sonst etablieren sich Missbildungen.
Immer wieder ein fremdes Tier einkreuzen.

Paarung:
Alle 16 - 18 Tage wird die Meerschweinchensau brünstig. Die erste Brunst tritt etwa im Alter von 6 Wochen auf, aber in diesem Alter ist das Tier noch viel zu jung um eine Trächtigkeit unbeschadet zu überstehen. Sie sollte mindestens 600 - 700 g wiegen oder 5 - 6 Monate alt sein. Die Brunst des Weibchens erkennt man an ihrem seltsamen Benehmen. Es gurrt und knattert wie ein Bock und läuft auch mit wiegenden Schritten umher. Zu diesem Zeitpunkt lässt der Bock das Weibchen kaum aus den Augen. Er verfolgt es und versucht stets sich in seiner Nähe aufzuhalten. Heftig markierend stolziert er durch den Käfig und wartet nur darauf, dass das Weibchen in die Hochbrunst kommt und eine Paarung zu lässt. Ist es noch nicht so weit, wehrt das Weibchen die Annäherungsversuche durch lautes Schreien, Zwicken und Harnspritzen ab. Die Hauptbrunst dauert ca. 10 Std. an und nur in dieser Zeit ist die Scheide, die sonst von einer dünnen Haut verschlossen ist, geöffnet und das Weibchen lässt den Bock zu.


Achtung!!! Niemals dürfen Schimmel x Schimmel, Dalmatiner x Dalmatiner, Schimmel x Dalmatiner verpaart werden, da diese Tiere den Lethalfaktor in sich tragen.
Der Lethalfaktor ist eine Genmutation oder strukturelle Veränderung von Chromsomen, die rezessiv (verdeckt dominant) sind. Das bedeutet, dass sie bei Verdoppelung zum Tod oder zu Missbildungen führen.


Tragezeit:
Die Tragezeit des Meerschweinchens beträgt 64 - 72 Tage (durchschnittlich 68 Tage), je nach Größe und Anzahl der Jungen im Mutterleib. Das trächtige Muttertier bedarf nun größter Aufmerksamkeit. Beste Nährstoffversorgung, sowie Ruhe und äußerst vorsichtige Behandlung muss gewährleistet sein. Beim Hochnehmen und tragen unterstützt nun stets eine ganze Handfläche den Bauch. Bis zum Ende der Trächtigkeit nimmt das Weibchen bis zu 50% seines Eigengewichts zu. Ab der 5. - 6. Woche können Sie langsam einen "Bauchansatz" erkennen und mit etwas Geduld auch schon die Bewegungen spüren. Unnötiges Herumtragen sollte jetzt vermieden werden.


Geburt:
Meerschweinchen bauen kein Nest. Steht die Geburt kurz bevor, so sucht das Weibchen eine ruhige Ecke aus, dreht sich einige Male und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Nach wenigen Wehen, zu erkennen daran, dass der Bauch ganz rund und hart wird, wird das erste Junge geboren. Die Mutter nimmt eine Hockstellung ein, wie zum putzen, zieht das Junge unter ihrem Bauch nach vorne weg und beginnt sofort die Eihaut auf zubeißen, um den ersten Atemzug zu ermöglichen. Die Nabelschnur wird durchtrennt und das Baby trocken geleckt bis sich das 2. Baby ankündigt. Die ganze Geburt dauert nicht länger als eine halbe Std.


Die Geschlechtsbestimmung:
Beim Weibchen gleicht die Geschlechtsregion einem Y (rechts im Bild)
Beim Männchen gleicht sie einem i (links im Bild)


(Bild aus "Das Meerschweinchen als Patient von. I. Hamel)


Geburtsstockungen:
Geburtskomplikationen sind beim Meerschweinchen selten.
Hier ein paar Beispiele, die eintreten können:
Beckenenge nach zu später Belegung des Weibchens
Ab und zu auftretende Einzelträchtigkeit mit zu großem Jungtier
Trächtigkeitstoxikose
Wehenschwäche
Lageanomalien oder Missbildungen der Jungen


Säugephase:
Eine ausgesprochen intensive Pflege der Jungtiere gibt es bei den Meerschweinchen nicht. Befinden sich mehrere Muttertiere im Käfig, so säugen die Jungen auch schon mal bei fremden Müttern. Innerhalb von 14 Tagen verdoppeln sie ihr Gewicht. Obwohl das Weibchen nur 2 Zitzen hat, kann es seine 2 - 4 Jungen, in seltenen Fällen auch 6 Jungen 3 - 4 Wochen lang säugen, da diese zusätzlich selbstständig Futter aufnehmen. Letzteres erfolgt schon ab dem ersten Lebenstag, denn die bereits vorhandenen bleibenden Schneide- und Backenzähne ermöglichen das Zerkauen fester Nahrung. Nach 21 - 30 Tagen bzw. nach erreichen eines Gewichts von 160 g werden die Jungtiere abgesetzt. Danach versiegt der Milchfluss der Mutter.


Mutterlose Aufzucht:
Manchmal kann es vorkommen, dass man neugeborene Meerschweinchen ohne Mutter aufziehen muss, da sie kurz nach der Geburt gestorben ist. Die Aufzucht von mutterlosen Jungtieren ist sehr mühsam und nicht immer erfolgreich. Hat man eine andere Meerschweinchenmutter mit nur wenige Tage alten Jungtieren, kann man versuchen, ihr die Waisen unterzuschieben. Steht keine Adoptivmutter zur Verfügung, ist die Aufzucht schon bedeutend schwieriger. Zu erst sorgt man für einen warmen, nicht heißen, Platz (z. B. durch eine Wärmflasche oder zur Hälfte unter eine mit Heu gefüllte kleine Kiste).
Man muss sich darüber im klaren sein, dass ein neugeborenes Meerschweinchen, im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren, nicht von Milch alleine leben kann. Das schwierigste bei der mutterlosen Aufzucht dürfte sein, dem Tier beizubringen, wie man frisst. Diese Aufgabe übernimmt am besten ein anderes freundliches, junges Meerschweinchen.


Zum aufpäppeln geeignet (falls noch nichts geeignetes im Haus ist):
Kräutertee oder eine Mischung aus warmen Wasser und Kondensmilch (normale Kuhmilch kann Durchfall verursachen!) im Verhältnis 4 : 1, damit schon mal die Verdauung ein wenig angeregt wird.


Aufpäppeln:
Neugeborene Meerschweinchen haben noch keine eigene Darmflora, ihr Verdauungssystem reagiert deshalb noch sehr störanfällig. Die Jungen müssen alle 1 - 2 Std. mit einer Ersatzmilch aus einer 1 ml Spritze (natürlich ohne Nadel) gefüttert werden. Ein zu hastiges trinken fördert das schlucken von Luft und verursacht Blähbäuche, daher die Säugeabstände so kurz wie möglich wählen und langsam füttern. Pro Mahlzeit nimmt ein Baby ca. 1 - 3 ml Flüssigkeit auf. Nach der Mahlzeit sollte die Genitalregion, zur Anregung der Ausscheidung bzw. der Verdauung, massiert werden.
Zur Unterstützung der Darmflora eignet sich eine Bakteriensuspension, z. B. Bird-Bene-Bac (beim Tierarzt erhältlich). Alternativ dazu, aufgelöster frischer Kot eines gesunden Meerschweinchens plus Gaben von Vitamin B- Komplex. Die Jungen nehmen normal den Blinddarmkot von der Mutter auf und erhalten auch über die Muttermilch wichtige Enzyme und Vitamine für die Verdauung, was man ihnen hiermit wenigstens zum Teil ersetzen kann.
Sollten Blähungen auftreten, helfen Kümmel- oder Fencheltee, an Medikamenten kann Lefax oder Sab simplex gegeben werden.

Die Babys möglichst mit anderen Meerschweinchen mitlaufen lassen, damit sie um so schneller lernen, auch anderes Futter wie Körner, Heu, Obst und Gemüse zu fressen. Solange sie nichts anderes von sich aus fressen, muss ihnen tgl. auch etwas Vitamin C eingegeben werden.


Möglichkeiten der Fütterung:
Milchpulver für Hunde - oder Katzenaufzucht.
Die angerührte Milch etwas stärker mit Wasser verdünnen als angegeben.
Lämmer-Austauschmilch, vermischt mit Karotten - und Apfelbrei ( z. B. von Alete)
Heilnahrung von Säuglingen (milchfrei z: B. von Milupa)
Kraftfutter in einer elektrischen Kaffeemühle pulverisieren und mit Wasser oder Tee zu einem Brei verrühren. Auch Schmelzflocken können hinzugefügt werden, so wie Obst + Gemüsebrei (Hipp, Alete). Für etwas ältere Jungtiere ab 1 bis 5 Wochen geeignet.


Mögliche Gründe für Totgeburten (Frühgeburten):
Erbkrankheiten
Letalfaktor
Muttertier zu jung oder zu alt
Geburtsstockung
Erstgeburt
Mangelernährung
Krankheit und Fieber
Würmer oder Wurmkur
Frühgeburt
Tier falsch getragen, gedrückt oder durch Sturz aus Anhöhe
Übertragung der Jungen (länger als 72 Tage)
Trächtigkeitstoxikose
Calcium- Defizit
Stress ( Umstellung des Futters, Umgebungswechsel, Transport, Ausstellung, Lärm, zu enge Besatzdichte im Käfig; andere Störfaktoren während der Geburt)
Umweltverschmutzung ( Strahlenbelastung, Tschernobyl)
Erstickung durch zu lange Geburt
Unachtsamkeit der Mutter, das Baby rechtzeitig aus der Eihaut zu holen
Schimmel in den Räumen, im Heu und Futter
Antibiotika während der Tragezeit
Junge werden zu schnell nacheinander geboren, die Mutter ist überfordert